Tunesische Landschildkröte

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  Tunesische Landschildkröten, Schildkröten mit Schmuggelanleitung
Bericht aus der "Elaphe" Nr. 9 (Zeitschrift der DGHT) vom Februar 2001
mit freundlicher Genehmigung des Autors

Schildkröten mit Schmuggelanleitung


Eindrücke von verschiedenen Touristensouks in Tunesien




Berichte über den Ausverkauf von nordafrikanischen Landschildkröten haben schon fast Tradition. Erste Untersuchungen über den Handel mit Maurischen Landschildkröten (Testudo graeca) und dessen Auswirkungen auf die natürlichen Bestände führte LAMBERT 1969 in Marokko durch, weitere Untersuchungen und Berichte folgten (beispielsweise BLATT & MÜLLER 19974, HIGHFIELD  1990, LAMBERT 1979, 1983, 1984, WILMS 2000).

Zwischenzeitlich hat sich die Situation für die Landschildkröten trotz der bestehenden Gesetzgebungen zum Schutz der Tiere und deren natürlichen Populationeneher noch verschlechtert. Sicherlich stellt die großflächige Überformung der Landschaft und eine nachhaltige Landwirtschaft die heutige Hauptgefährdungsursache der Landschildkrötenvorkommen Nordafrikas dar. Dies betrifft vor allem das agrarwirtschaftlich weit entwickelte Tunesien.  So sind in Tunesien im direkten Vergleich zu Marokko und der Türkei Schildkröten nur mit großem zeitlichen Aufwand und in geringer Stückzahl auffindbar (HIGHFIELD 1990). Eine weitere Ursache für die Bestandsrückgänge liegt im weiterhin stattfindenden illegalen Handel mit diesen Tieren auf den Touristen-Souks.
Auf den Märkten, deren Angebot speziell auf den europäischen Kunden ausgerichtet ist, beispielsweise in Hammamet, Sousse, El Jem und Houmt Souk auf der Insel Djerba werden lackierte Panzer zu Dekorationszwecken und lebende Exemplare von Maurischen Landschildkröten in erschreckend hoher Stückzahl angeboten.


Abb. 1. Präparierte Schildkrötenpanzer (Touristenmarkt El Jem)

Offensichtlich findet auch ein entsprechend starker Absatz überwiegend von lebenden Tieren an die Touristen statt. Wahrscheinlich aus praktischen Überlegungen, die die Zollbestimmungen betreffen, werden vor allem Jungtiere (50 bis 60 mm) und kleine adulte Exemplare offeriert. Die Tiere werden von Landfrauen und wohl auch Hirten des Umlandes gesammelt und an den Markttagen an Händler weiterverkauft. So führte eine Bäuerin bei ihrem wöchentlichen Marktgang nahe Nabeul in ihrem Korb neben Kaninchen auch junge Maurische Landschildkröten mit. Auf die Anfrage, wieviel Geld sie denn auf dem Souk bekäme, lautete die Antwort: "Ein Dinar pro Tier". Möglicherweise war dieser Preis überzogen, weil die Frau hinter der Frage Kaufabsichten vermutete.
Bei den Händlern auf den Souks lag der Preis dann um ein Vielfaches höher. Bei scheinbarem Kaufinteresse und einer zögerlichen Anfrage, ob denn der Verkauf der Tiere und eine Ausfuhr aus Tunesien (verboten seit 1978) und eine Einfuhr nach Deutschland nicht gesetzeswiedrig sei, wurde geantwortet, dass dies niemanden interessiere und viele Touristen, vor allem Frauen, Schildkröten kaufen würden. Umgehend gaben sie praktische Empfehlungen für ein sicheres Vorbeischleusen der Schildkröten am Zoll und führten sehr routiniert vor, wie man die Schildkröten für den Schmuggel verpackt.
Der Händler gab noch den Tipp, die Tiere vor der Abreise in warmem Wasser zu baden, die Schildkröten würden daraufhin Kot absetzen, was ein Durchweichen des Transportbehälters und eine Geruchsbelästigung verhindere. Es war auch bekannt, dass der Preis für eine Landschildkröte in Deutschland 400,-- DM beträgt, bei Nichtgefallen der Schildkröte oder auftretendem Desinteresse könne man die Tiere in der Heimat daher gewinnbringend weiterverkaufen.
Auch wenn zu den konkreten Auswirkungen des illegalen Handels mit Landschildkröten in Tunesien keine Untersuchungen vorliegen, so kann sich ein in bestehendem Umfang stattfindender Individuenverlust nur negativ auf die bestehenden Vorkommen auswirken. Untersuchungen von LAMBERT (1979) belegen Bestandsrückgänge von bis zu 86 % in stark besammelten Gebieten in Marokko gegenüber Arealen, in denen lange keine Störungen der Populationen stattgefunden haben.
Es ist zu betonen, dass ausschliesslich die Nachfrage durch Touristen das Angebot von Landschildkröten auf diesen Märkten bestimmt und die Händler zu solchen Verkaufspraktiken veranlasst. Auf Souks ohne Touristenzustrom sucht man Schildkröten und die gleichfalls in grosser Stückzahl angebotenen Präparate von Skorpionen, Chamäleons (Chamaeleo chamaeloen), Westliche Sandboas (Eryx jaculus), Eidechsennattern (Malpolon monspessulanus), Moilanattern (Malpolon moilensis), Vipernattern (Natrix maura) und Hornvipern (Cerastes cerastes) vergebens.
Die ländliche Bevölkerung betrachtet Schildkröten mit Sympathie. Maurische Landschildkröten und Süsswasserschildkröten (Mauremys leprosa und Emys oricularis) werden entgegen anders lautender Gerüchte in Nordafrika und in der Türkei nicht gegessen. Zumindest lokal wird eine direkte Schädlingswirkung durch Wegfressen der Blüten von Kürbisgewächsen von den Kleinbauern toleriert.
Ergänzend sei darauf hingewiesen, dass nordafrikanische Landschildkröten generell schwer haltbar sind und als anfällig für Krankheiten gelten. Bei einer Zuführung von solchen Tieren zu schon bestehenden Beständen sind die Einschleusung von Krankheiten und ein auf diese Weise verursachter Verlust sehr wahrscheinlich. Die Freude an einem solchen Schnäppchenkauf dürfte sich in Grenzen halten.


Schlussbemerkung

Jede, auch eine aus Mitleid auf diesen Märkten gekaufte Schildkröte, wird zumindest durch ein neues Tier ersetzt. Es ist zu erwarten, dass bei der Aufrechterhaltung der logistischen Bestände der Souks weitere Tiere zu schaden kommen und die natürlichen Populationen weiter ausgedünnt werden. Ein Kauf von Tieren auf einem dieser Märkte ist durch nichts zu rechtfertigen und sollte sowohl aus praktischen Überlegungen, wie auch aus ethischen Gründen unterbleiben. Nicht zu vergessen sind auch die rechtlichen Konsequenzen, die sich aus den bestehenden Naturschutzbestimmungen im Falle des Entdecktwerdens ergeben!




Literatur
BLATT, G. & MÜLLER, P. (1974): Die Mortalitätsrate importierter Schildkröten im Saarland. - Salamandra, Frankfurt, 10 (3/4) : 115-125.

HIGHFIELD, A. C.  (1990): Preliminary Report on the Taxonomic, Biotypic and Conservationstatus of the landtortoises of Tunesia. - Tortiose Survival Project, The Tortoise Trust, London, England: 1 - 17.

LAMBERT, M. R. K. (1969): Tortoise Drain in Marocco. - Oryx : (10) 161 - 166.

-- (1979): Trade and the Mediterranean Tortoise. - Oryx (15) : 81 - 82

-- (1983): Some factors influencing the Maroccan distribution of the western Mediterranean spurtighet 
   tortoise, Testudo graeca graeca, L., and those precluding its survival in NW Europe. - Zool. J. Linn. Soc., 
    79 : 149 - 179.

-- (1984):  Threats to Mediterranean (West Palearctic) tortoises and their effects on the wild populations: 
    an overview. - Amphibia, Reptilia (5): 5 - 15.

WILMS, T. (2000): Die Ausbeutung von Testudo graeca in Nordafrika zur Herstellung von Souveniers und traditioneller Medikamente hält an. - DRACO, Münster 1 (2): 87 - 88.



 

Autor
Alexander Pieh
Rüthlistr. 22
D- 70435 Stuttgart

Ich bedanke mich bei Herrn Alexander Pieh, dass ich diesen aufschlussreichen Bericht hier veröffentlichen darf.

Der Bericht ist erschienen in der Vereinszeitung der DGHT (Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde) "Elaphe" Nr. 9 (2001) Heft 1
 
 

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 Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 26.10.2014    © E. K.