Tunesische Landschildkröte

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  Tunesische Landschildkröten, Haltung und Zucht

Bericht aus der Zeitschrift "Radiata" der DGHT AG Schildkröten  Nr. 9 (2), 2000
mit freundlicher Genehmigung der Autoren


 

Haltung und Zucht der "Tunesischen Landschildkröte"
von Hilmar Hufer und Volker Büddefeld


Die von uns gehaltenen Schildkröten stammen aus dem nördlichen Tunesien, mit ihnen wurden 1998 und 1999 Nachzuchterfolge erzielt. Folgt man der Beschreibung von MERTENS (1946), handelt es sich hierbei um Testudo graeca graeca (LINNAEUS, 1758). HIGHFIELD (1990b) beschrieb sie jedoch in einer weitaus umfangreicheren Ausarbeitung als eigene Art und stellte sie zusammen mit der von BENNETT 1836 beschriebenen Testudo whitei (Algerische Landschildkröte) (HIGHFIELD & MARTIN 1989) zur Gattung Furculachelys. Die "Tunesische Landschildkröte" wurde hierbei nach ihrer Typuslokalität Nabeul in Nordost-Tunesien als Furculachelys nabeulensis benannt. Diese neue Nomenklatur wird in wissenschaftlichen Kreisen nach wie vor heftig diskutiert. Inwieweit der Gattungs- oder Artstatus haltbar sein wird, bleibt abzuwarten. Wir möchten uns an dieser Diskussion nicht beteiligen und werden deshalb im weiteren Text lediglich von einer Form sprechen.

Habitus

Die genauen Differenzierungsmerkmale dieser Form können bei HIGHFIELD (1990a, 1990b) nachgelesen werden. Darüber hinaus fallen die Schildkröten durch ihre relativ geringe Carapaxlänge auf. Nach unseren Beobachtungen sind weibliche Tiere bereits mit 13,5 cm und ca. 600 g und Männchen bereits mit 10 cm und 250 g adult. Der Carapax ist in seiner Grundfärbung gelblich. Die Schilder haben klar erkennbare schwarze Flecken sowie eine schwarze Umrandung. Allein durch diese Merkmale ist die "Tunesische Landschildkröte" schon recht gut von anderen Testudo graeca graeca zu unterscheiden. Das Plastron ist hornfarben, mit einem hohen Anteil nicht klar abgegrenzter schwarzer Flächen. Bei der Beinfarbe dominieren ebenfalls Gelbbrauntöne. Auf dem dunkel gefärbten Kopf befindet sich in der Regel ein gelber Fleck auf der Stirn. Das Schwanzschild dieser Schildkröten ist ungeteilt. Auf den Hinterbeinen besitzen sie – wie fast alle Testudo graeca – Höckerschuppen. Die Tiere haben fünf Krallen an den Vorderbeinen und vier Krallen an den Hinterbeinen. Bei adulten Männchen ist darüber hinaus das Supracaudalschild (Schwanzschild), ähnlich wie bei den in Südafrika lebenden Schildkröten der Art Psammobates geometricus, deutlich hervorgehoben (BOYCOTT & BOURQUIN 1988).

Abb. 2 (rechts oben). Männliche "Tunesische Landschildkröte" in der Nähe von Baloum

Abb. 1 Blick auf den Lebensraum der "Tunesischen Landschildkröte"


Biotop

Im September 1999 bereiste einer der Autoren (V.B.) den nordöstlichen Teil Tunesiens. Nördlich von Baloum wurden ca. 40 km von der Küste entfernt Landschildkröten gefunden. Es handelte sich um zwei aktive männliche Exemplare dieser Form. Sie wurden im offenen Gelände um die Mittagszeit in der Nähe eines Bachs gesichtet. Bei Temperaturen von 34,7 °C sowie einer Luftfeuchtigkeit von 64 % wiesen die beobachteten Schildkröten eine extrem hohe Fluchtgeschwindigkeit auf. 
Dieser Fund mag einige Leser erstaunen, da von vielen Haltern angenommen wird, daß diese Schildkröten eine Sommerruhe einlegen. Im Habitat waren aufgrund des angrenzenden Gewässers ausreichend Nahrungspflanzen vorhanden; besonders auffällig waren sukkulentenartige Gewächse. Bei den näher in Augenschein genommenen Landschildkröten konnte anhand von Kotabgaben eine sehr starke Verwurmung festgestellt werden. Erwähnenswert erscheint an dieser Stelle, daß auf dem lehmigen Boden besonders viele Schneckenhäuser gefunden wurden. Ob sie den Schildkröten als zusätzliche Kalziumquelle dienen, ist uns nicht bekannt. 
Abschließend sei noch vermerkt, daß die hier wiedergegebenen Eindrücke nur eine Momentaufnahme im Jahreszyklus der "Tunesischen Landschildkröte" darstellen und weitere Reisen zu anderen Jahreszeiten notwendig wären, um das Bild weiter abzurunden.


Gefährdung

Die "Tunesische Landschildkröte" ist, wie schon für die Ägyptische Landschildkröte (Testudo kleinmanni) beschrieben (ANTENBRINK-VETTER & VETTER 1995), durch Ziegen gefährdet und dies in zweierlei Hinsicht: Erstens stellen sie einen potentiellen Nahrungskonkurrenten dar, und zweitens weiden die Ziegen die Versteckplätze der Schildkröten vollkommen ab. Somit finden die Landschildkröten keinen Schutz vor ihren Prädatoren, beispielsweise Greifvögel. Ein weiterer Punkt ist der kommerzielle Handel; nach Beobachtungen (V.B.) aus den Jahren 1993 und 1999 werden die Landschildkröten auf den verschiedensten Wochenmärkten, bzw. den Souks, Tunesiens zum Kauf feilgeboten.


Abb. 3. In solch grosser Menge werden die arteneschützten Tiere auf den Märkten angeboten

Auf den von HIGHFIELD (1990a) als Fundort angegebenen Märkten wurden folgende Stückzahlen geschätzt: Hammamet ca. 50 Schildkröten, Nabeul ca. 50 Stück. Darüber hinaus wurden in Sousse mehrere Hundert Individuen angeboten. Auffällig war, daß hauptsächlich Jungtiere, sogar Schlüpflinge mit Eischwiele, gefolgt von adulten Männchen, angeboten wurden. Während adulte Weibchen nur selten im Angebot der Straßenhändler waren. Diese Tiere werden dementsprechend sicherlich in einigen Fällen verbotenerweise als "Urlaubssouvenir" mit in die Heimat gebracht. Leider fehlt es den neuen Besitzern in den meisten Fällen an der nötigen Sachkenntnis, so daß viele dieser Schildkröten binnen kürzester Zeit verenden.


Haltung

Im folgenden wird auf eine Zuchtgruppe näher eingegangen. Diese besteht aus zwei adulten männlichen Tieren, zwei adulten Weibchen sowie einem semiadultem Weibchen. Die Schildkröten kamen als juvenile Tiere 1996 in unseren Besitz. Da in der zur Verfügung stehenden Literatur (ZWARTEPOORTE, 1996) die Haltung dieser Tiere als schwierig bezeichnet wurde, entschieden wir uns, unkonventionell vorzugehen.


Abb. 4. Geschlechtsdimorphismus: 
Deutlich ausgestelltes Schwanzschild beim Männchen (links)

Dabei wurden unter anderem die Erfahrungen aus der Haltung und Zucht des Europäischen Chamäleons (Chamaeleo chamaelon), ebenfalls aus Tunesien, genutzt. Bereits hierbei wurde festgestellt, daß diese Echsen nur mit einer hohen Luftfeuchtigkeit erfolgreich zu halten sind.
Unter Zuhilfenahme von Klimadaten (   s. Tabelle 1, Tabelle 2 und  Klimatabelle Tunis ) aus GRIFFITH (1972) und MÜLLER (1996) wurden die folgenden Haltungsparameter festgelegt:

  • Bedingt durch die küstennahe Verbreitung der Schildkröten ist eine hohe Luftfeuchtigkeit zu erzielen.
  • Durch das milde Winterklima dieser Region entfällt eine Überwinterung.
  • Die vorherrschenden hohen Sommertemperaturen sind bei uns im Freiland nicht zu erreichen.

Trotzdem sollten die Schildkröten im Sommer im Freiland gehalten werden. Ein Vergleich der Daten der Klimastationen Tunis und Essen ergab, daß die mittleren Temperaturen in Tunis im Zeitraum von Dezember bis April etwa denen Essens im Zeitraum von Ende April bis Ende August entsprechen ( siehe Tabelle 2). Hieraus resultiert eine Verschiebung des natürlichen Zyklus der Schildkröten. Die Haltung wurde dementsprechend aufgeteilt, so daß die Schildkröten die kalte, regenreiche Jahreszeit in unserem Frühjahr und Sommer nun im Freiland erleben, während sie die heißtrockene Phase im Terrarium verbringen. In diesem verschobenen Zyklus stimmen bei näherer Betrachtung die Werte der Niederschlagsmengen sowie der Globalstrahlung nicht überein. (Globalstrahlung ist eine Maßeinheit für die Intensität der Sonnenstrahlung, gemessen in KW/m2). Wir vertreten die Auffassung, daß dies allerdings vernachlässigbar ist, wenn man den Tieren Schutzhäuser zur Verfügung stellt.


Außenanlage

Die Freilandanlage ist ca. 20 qm groß und nach Südosten ausgerichtet, eingefriedet wurde sie mit 75 cm langen Palisaden, die zur Hälfte ins Erdreich eingeschlagen sind. Der stark lehmhaltige Mutterboden wurde in einigen Bereichen durch die Zugabe von Sand drainiert, die entstandenen trockeneren Zonen haben einen geringeren Bewuchs und heizen sich im Vergleich zur angrenzenden Wiese stärker auf. Im Gegensatz hierzu sorgt der Überstand eines angrenzenden Gartenhauses dafür, daß die Schildkröten einen trockenen, aber zugleich kühlen Bereich, aufsuchen können. Zwischen den hier angepflanzten Büschen wurden Rückzugsmöglichkeiten mit Heu angelegt.
Um den Schildkröten zusätzliche Nahrungsquellen zu erschließen, wurden verschiedenste Wiesenkräuter eingebracht. Strukturiert wird die ganze Anlage durch eine Legesteinmauer, einen Lesesteinhaufen sowie weitere Sträucher und einige Wurzeln. Leider beschatten einige Bäume das Areal, so daß die direkte Sonneneinstrahlung lediglich von 10 bis 17 Uhr genutzt werden kann. 
 


Abb. 5. Innenansicht des Schutzhauses

Abb. 6. Blick in die Aussenanlage

Den Schildkröten steht eine Schutzhütte mit der Grundfläche von 1,20 m × 0,60 m zur Verfügung, welche in der Übergangszeit von April bis Anfang Juni morgens durch einen 100 Watt Baustrahler beheizt wird. Die Schutzhütte (Frühbeetkasten der Firma Voss, Mainz) besteht aus einer Aluminiumkonstruktion mit 16 mm Doppelstegplatten und bietet daher eine sehr gute Wärmeisolation. Ferner hat dieses Produkt den entscheidenden Vorteil, daß die beiden Öldruckheber, die der Thermoregulierung dienen, nicht wie üblich am Deckel befestigt sind. Dadurch wird der Zugriff von oben nicht behindert. Im Bodenbereich befindet sich unterhalb der beiden Höhlen eine geregelte Thermolux-Heizmatte, die auf 15 °C eingestellt ist, um eine Auskühlung zu verhindern. Durch die Heizung und die automatische Belüftung trocknet das Frühbeet schnell aus. Deshalb wird es regelmäßig gewässert, um die Feuchtigkeit zu erhöhen.
Die Schildkröten gelangen, nachdem sie sich morgens unter der Wärmelampe aufgeheizt haben, durch eine Aussparung im Fundament in den Außenbereich. Hier erfolgt die tägliche Fütterung mit Wiesenkräutern, wie Löwenzahn, Klee, den verschiedenen Wegerich-Arten, Sauerampfer, Vogelmiere, Blättern, Taubnesseln und Sukkulenten (z.B. Fetthenne). Zur Bestimmung der Wiesenkräuter können die Bücher von PAHLOW (1990) und STEINBACH (1996) verwendet werden. Falls diese oder ähnliche Wildkräuter nicht in ausreichender Menge zur Verfügung stehen, wird die Nahrung mit zugekauften Produkten ergänzt.
Die Mineralstoffzufuhr wird durch Gaben von Sepiaschale und Hornspänen sichergestellt. Für den Ausgleich des Wasserhaushalts wird den Tieren jederzeit frisches Wasser in einer Trinkschale angeboten.


Terrarium

Für die Terrarienhaltung der Zuchtgruppe steht ein Vollglasbecken mit den Maßen 1,25 m × 0,75 m × 0,40 m zur Verfügung. Dieses Terrarium wurde als transportabler Tisch konstruiert. Die Einrichtung besteht aus zwei großen Steinhöhlen, die so eingebracht wurden, daß die Schildkröten die Oberseite als zusätzliche Lauffläche nutzen können. Der Bodengrund bestand zunächst aus einem Lehm-Sandgemisch, welcher nach einiger Zeit aufgrund der relativ hohen Staubbildung gegen Buchenhackspäne ausgetauscht wurde. Zudem wurde eine 20 mm Styrodurplatte zur zusätzlichen Isolation unter das Terrarium gelegt. Auf dieser befindet sich die Flexwatt-Folienheizung, welche den Boden zur Hälfte beheizt. Die Regelung erfolgt über einen umgebauten elektronischen Raumthermostaten, eingestellt je nach Jahreszeit auf Nachttemperaturen von 19 bis 23 °C, bzw. Tagestemperaturen von 23 bis 26 °C. Die 13-stündige Beleuchtung heizt das Becken auf ca. 33 °C, sie erfolgt durch einen 80 W PAR38 Strahler sowie einen 150 W Halogenstrahler mit Reflektor. In dessen Lichtkegel werden lokale Bodentemperaturen von über 45 °C erreicht. Dieser Bereich wird von den Schildkröten morgens zum Sonnenbaden genutzt. In der Übergangsjahreszeit von Januar bis April (Schildkrötenherbst) bleibt der 80 W Strahler abgeschaltet, gleichzeitig wird die Bodentemperatur auf die unteren Werte abgesenkt, um die Tiere auf den Freilandaufenthalt vorzubereiten. 
Die Luftfeuchtigkeit des Terrariums wird durch eine beheizte mit Meerwasser gefüllte Wanne erzeugt, der Aquarienheizer ist dabei auf Maximum eingestellt, somit steigt nachts die Luftfeuchtigkeit automatisch an. Der Effekt wird durch eine zugeschaltete Membranpumpe mit Ausströmerstein erhöht. Sie erzeugt ein Meerwasseraerosol, welches Erkältungskrankheiten vorbeugen soll, beziehungsweise gegebenenfalls bestehende Beschwerden lindern soll. Dabei ereicht die Luftfeuchtigkeit so hohe Werte, daß Wasser an den Terrarienscheiben kondensiert und erst nach Einschalten der Beleuchtung langsam wieder abtrocknet. Selbstverständlich ist diese ganze Konstruktion für die Schildkröten unzugänglich. Ein Blumenuntersetzer dient als Trinkschale und vervollständigt auch hier die Einrichtung.


Ernährung

Die kleinwüchsige "Tunesische Landschildkröte" zeichnet sich durch eine enorme Bewegungsfreudigkeit aus. Besonders in den Morgen- und Abendstunden sind die Tiere aktiv und suchen nach Futter. Die Futterpalette reicht von den oben beschriebenen Wildkräutern bis zu den käuflich erhältlichen Gemüse- und Salatsorten: allen voran Römersalat (Lattuga), Radicchio, Chicoree, Ruccola, Mangold, diverse Keimlinge, Gurke, Zucchini, Aubergine, Paprikaschoten, Radieschen, Tomaten usw. Der Rohfaseranteil des Futters wird durch die Zufütterung von Grünmehl und eingeweichten Heupellets verbessert (DENNERT 1999a, 1999b) und die Vitamin- und Mineralzufuhr durch entsprechende Präparate (pulverisierte Sepiaschalen, Calcamineral und Korvimin ZVT) einmal wöchentlich ergänzt. Obst wird nur gelegentlich, einmal im Monat, gereicht. Zusätzlich erhalten die Tiere eingeweichte Schildkrötenpellets (Sera raffy Mineral P), die gerne gefressen werden. Versuche, den Tieren auch Tierisches (Mehlwürmer) zu verfüttern, überraschten: Während die Männchen begierig fraßen, verschmähten die Weibchen das Dargebotene völlig. Die Schildkröten werden alle ein bis zwei Tage ausreichend gefüttert, die verwelkten und vertrockneten Futterreste stehen den Tieren weiter zur Verfügung, diese werden ebenfalls gefressen. Abschließend sei hier noch einmal darauf verwiesen, daß der weitaus größte Futteranteil aus ballaststoffreichem Grünfutter besteht und alles andere nur gelegentlich zugefüttert wird.


Haltungsproblem: Atemwegserkrankungen

Ein generelles Problem der Haltung der nordafrikanischen Landschildkröten sind Atemwegserkrankungen. Das in der englischsprachigen Literatur (HIGHFIELD 1996) als RNS (Runny nose syndrome) bezeichnete Krankheitsbild beginnt in Form eines Schnupfens, der sich im fortschreitendem Verlauf zu einer Lungenentzündung entwickeln kann. Das erste Anzeichen dieser Krankheit ist ein seröser Nasenausfluß, der zunehmend intensiver wird. Spätestens in diesem Stadium schränken die Schildkröten die Nahrungsaufnahme ein, bis sie letztendlich das Futter völlig verweigern. Grundsätzlich sollte bereits bei Auftreten der ersten Symptome ein erfahrener Tierarzt zu Rate gezogen werden, der dann voraussichtlich eine entsprechende Antibiotikatherapie einleiten wird.
Bis zum heutigen Tage ist die Ursache für das Auftreten derartiger Erkrankungen ungeklärt. Nach unserer Erfahrung ist eine Optimierung der Haltungsbedingungen in jedem Fall angezeigt, um den Gesundheitszustand der Schildkröten zu stabilisieren.

Kernpunkte sind dabei:

  •  hohe Luftfeuchtigkeit
  • erhöhter Salzgehalt in der Luft
  • gute Wärmeisolation des Bodens
  • Vermeidung von Staubentwicklung durch den Terrariengrund

Auffällig ist die Beobachtung, daß bei uns häufiger männliche Exemplare von dieser Erkrankung betroffen sind, während einige weibliche Tiere der gleichen Zuchtgruppe noch nie derartige Symptome aufwiesen.


Fortpflanzung

Das Paarungsverhalten der "Tunesischen Landschildkröte" ähnelt grundsätzlich dem der Maurischen Landschildkröten (Testudo graeca ssp.). Die Hauptpaarungszeit der beschriebenen Zuchtgruppe liegt in der kalten Jahreszeit von Herbst bis Frühjahr, während in der heißen Jahreszeit im Terrarium die Paarungsaktivitäten eingestellt werden. Die Männchen rennen hochbeinig auf die weiblichen Tiere zu, beriechen diese, umkreisen sie dabei, um sie dann einige Male unvermittelt zu rammen. Flüchtet das Weibchen, versucht das männliche Tier dieses durch Bisse in die vorderen und hinteren Extremitäten hieran zu hindern. Sobald die weibliche Schildkröte gestellt wird, reitet das Männchen auf. Ist das Weibchen nicht paarungsbereit, versucht es zunächst durch ruckartiges Kopfschütteln – und später durch Drehen des gesamten Körpers – das Männchen abzuschütteln, um sich dann in einen der Versteckplätze zu flüchten. Entsprechend der jahreszeitlichen Verschiebung legen die Schildkröten im Zeitraum von August bis Oktober bis zu 3 Gelege mit jeweils 3 bis 4 Eiern. Die erste Eiablage erfolgt im Freiland, während die weiteren im Terrarium bzw. in einer temperierten Eiablagekiste erfolgen. Die Schildkröten vergraben die Eier auf die übliche Weise in einer Tiefe von ca. 12 bis 15 cm. Die Eigruben sind birnenförmig, die Eier werden darin nebeneinander an der Wand positioniert. Auffällig ist beim Bergen der Gelege, daß die Schildkröten die obersten Zentimeter stark verdichten, während der Bereich um die Eier sehr locker ist. Dieser Bereich ist so angelegt, daß über den einzelnen Eiern ein Hohlraum entsteht, welcher für den Gasaustausch der Eier, beziehungsweise für den Schlupf der Jungtiere, eine wichtige Rolle spielen könnte.
 

Abb. 7. Die Paarung der "Tunesischen Landschildkröte" erfolgt annähernd geräuschlos

Abb.8. Vier Gelege der "Tunesischen Landschildkröte". Man beachte die Varianz der Eiform

Um die Lage der Eier zu kennzeichnen, werden sie mit einer Bleistiftmarkierung versehen, anschließend werden sie vermessen und gewogen. Die Größen liegen zwischen 27 bis 29 × 25 bis 27 mm und die Gewichte zwischen 11,5 bis 13,7 g. Ein unbefruchtetes aus drei Eiern bestehendes Erstgelege hatte abweichend davon niedrigere Gewichte von 10,2 g, 10,3 g und 10,6 g. Leider wurden diese Eier nicht vermessen. Die Gelege werden in geschlossene Dosen überführt, die mit trockenem Sandlehmgemisch gefüllt sind und in einem aus einer Styroporbox gebauten Motorbrüter inkubiert. Die dort eingeklebte Folienheizung wird durch ein Kontaktthermometer geregelt, gleichzeitig sorgt ein eingebauter Lüfter für Luftzirkulation und somit homogene Temperaturen. Hier benötigten die Eier bei einer Inkubationstemperatur von 29,7 °C (1998) sowie 31,0 °C (1999) 71 bis 75, beziehungsweise 67 bis 68 Tage, bis zum Schlupf. Die Jungtiere hatten ein Schlupfgewicht zwischen 7,8 bis 9,0 g. Auffällig war, daß die Tiere der zweiten Brutsaison vermehrt Panzeranomalien aufwiesen. Grund hierfür könnte die wärmere Inkubationstemperatur sein, es könnten aber auch andere Ursachen eine Rolle spielen. 


Aufzucht der Jungtiere

Die Jungtiere werden nach dem Schlupf in einer Schale mit temperiertem Wasser gebadet und anschließend bis zur völligen Auffaltung auf feuchtes Fließpapier gesetzt. Nach ein paar Tagen werden sie in ihr Terrarium gesetzt. Die Schlüpflinge des Jahres 1998 wurden folgendermaßen gehalten: Als Terrarium diente eine Kunststoffwanne (50 × 30 × 20 cm) mit Sand-Lehmgemisch als Bodengrund. Das Becken wurde mit Steinen, einigen Versteckplätzen, wie zerbrochenen Tontöpfen, und einer Wasserschale ausgestattet. Die Wanne wurde zu zwei Dritteln mit einer Glasscheibe abgedeckt, über dem anderen Bereich wurde sie mit einem gedimmten 60 W Spotstrahler erwärmt. Der Boden wurde regelmäßig angefeuchtet. Diese Konstruktion erwies sich als ungünstig, da die Luftfeuchtigkeit zu niedrig war und die Temperaturschwankungen zu hoch waren. Obwohl die Tiere sich zunächst gut entwickelten, erkrankten sie nach und nach an Schnupfen.

Abb. 9.  Diesem Schlüpfling fehlt eins der fünf Wirbelschilder

Deshalb wurde die Haltung der Jungtiere entsprechend des Pflegekonzeptes, das sich schon bei den Alttieren bewährt hat, umgestellt. Besonderer Wert wird dabei auf Einhaltung einer Minimaltemperatur von 22 bis 24 °C gelegt, die durch eine geregelte Heizmatte sichergestellt wird. Genauso wichtig ist, daß nachts die Luftfeuchtigkeit auf mindestens 90 % steigt ( vgl. Tabelle 3 ). Statt der Wanne wird deshalb ein Vollglasbecken mit den Maßen 60 × 40 × 40 cm als Terrarium verwendet. Die Lüftungsschlitze wurden abgeklebt, um Zug zu vermeiden und die gleichbleibend hohe Luftfeuchtigkeit zu gewährleisten, die auf die gleiche Weise wie bei den Alttieren erzeugt wird. Tagsüber wird das Terrarium mit einer 15 W Bioluxleuchtstoffröhre sowie einem 50 W Halogenspotstrahler beleuchtet, daraus ergeben sich Tagestemperaturen von ca. 28 bis 32 °C. Eine große Steinhöhle ein Sonnen- und ein Futterplatz vervollständigen auch hier die Terrarieneinrichtung. Der Bodengrund besteht aus Kakteenerde. 
Um Knochenerweichung vorzubeugen, wird einmal wöchentlich ein Vitamin-Mineralstoffpräparat beigefüttert. Darüber hinaus wird das weitere, zum größten Teil aus Wildkräutern bestehende, Futter mit Korvimin ZVT und Knochenmehl angereichert.
Bei der hier beschriebenen Aufzuchtmethode wachsen die Jungtiere ohne Probleme, vor allen Dingen ohne Erkrankungen der oberen Atemwege heran. 
 
 

Abb. 10. Gesunde Jungtiere zeigen eine große Gier bei der Nahrungsaufnahme


Abb. 11. Frisch geschlüpftes Jungtier


Schlußbemerkung

Die "Tunesische Landschildkröte" ist sicherlich keine Anfängerschildkröte, bei ihr ist größte Aufmerksamkeit auf den Gesundheitszustand zu legen. Allerdings ist diese Form aufgrund ihrer Aktivität und Größe, ein äußerst attraktives Terrarientier. Basierend auf den natürlichen Gegebenheiten des Biotops ist der hier vorgestellte Haltungsansatz aus kombinierter Terrarien-Freilandhaltung nur ein erster Schritt, die Pflege dieser Schildkröte zu verbessern. Die erzielten Nachzucht- und Aufzuchterfolge geben jedoch Hoffnung, daß man diese interessante Schildkröte durch Nachzucht auch in Zukunft in unseren Terrarien erleben kann.


Abb. 12. Sehr schön gefärbtes Männchen
der "Tunesischen Landschildkröte"
 

Alle Fotos: Hilmar Hufer, Volker Büddefeld


Literatur

ANTENBRINK-VETTER, S. & H. VETTER (1995): Ägyptische Landschildkröte, Testudo kleinmanni LORTET, 1883. – Schildkröten, Linden, 2(3): 1-7.

BOYCOTT, R. C. & O. BOURQUIN (1988): The South African Tortoise Book: a guide to South African tortoises, terrapins, and turtles. – Johannesburg (Southern Book Publishers), 148 S.

DENNERT, C. (1999a): Ernährung europäischer Landschildkröten Teil 1. - Reptilia, Münster, 4(3): 32-39.

DENNERT, C. (1999b): Ernährung europäischer Landschildkröten Teil 2. - Reptilia, Münster, 4(4): 51-58.

GRIFFITHS, J. F. (1972): Climates of Africa. – Amsterdam (Elsevier Publishing Company), 604 S.

HIGHFIELD, A. C. & J. MARTIN (1989): Testudo whitei BENNETT 1836; New light on an old carapace – GILBERT WHITE’S Selborne tortoise re-discovered. – Journal of Chelonian Herpetology, London, 1(1): 13-22.

HIGHFIELD, A. C. (1990a): Preliminary report on the Taxonomic, Biotypic and Conservation status of the land tortoises of Tunisia. – London (Tortoise Survival Project): 2-17.

HIGHFIELD, A. C. (1990b): Tortoises of north Africa; taxonomy, nomenclature, phylogeny and evolution with notes on field studies in Tunisia. – Journal of Chelonian Herpetology, London, 1(2): 1-56.

HIGHFIELD, A. C. (1996): Practical Encyclopedia of Keeping and Breeding Tortoises and Freshwater Turtles. – London (Carapace Press), 295 S.

MERTENS, R. (1946): Über einige mediterrane Schildkröten-Rassen. – Senckenbergiana, Frankfurt am Main, 27: 111-118.

MÜLLER, M. (1996): Handbuch ausgewählter Klimastationen der Erde. – Trier (Forschungsstelle Bodenerosion der Universität Trier Mertesdorf (Ruwertal) 5) 400 S.

PAHLOW, M. (1990): Kräuter und Wildfrüchte. – München (Gräfe & Unzer Verlag), 64 S.

STEINBACH, G. (1996): Beeren, Wildgemüse, Heilkräuter. – München (Mosaik Verlag), 288 S:

ZWARTEPOORTE, H. (1996): Die Maurische Landschildkröte Testudo graeca. – EMYS, St. Pölten, 3(5): 5-16.
 
 



Die Autoren:

Hilmar Hufer
Stiepeler Straße 131a
44801 Bochum

Volker Büddefeld
Heimstraße 2
58256 Ennepetal

Ich bedanke mich bei den Autoren, dass ich diesen interessanten Bericht hier veröffentlichen darf.

Siehe auch die Seite der  DGHT - AG Schildkröten


 
 

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