Tunesische Landschildkröte

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  Tunesische Landschildkröten, Rachitis, Krankheiten

Tunesische Landschildkröten
(dies gilt auch für alle anderen mediterranen Landschildkröten)

Rachitis

 

 

Immer wieder werden mir Tunesische Landschildkröten vorgestellt, die nach einer Weile krank werden. Gar nicht so selten haben dann vor allem kleine, noch wachsende Schildkröten einen Panzer, der immer weicher zu werden scheint. Der Tierarzt nennt dieses Symptom "Panzererweichung" oder "Rachitis".

Die im Volksmund genannte "Rachitis" oder "Knochenerweichung" ist sicher jedem von uns ein Begriff. Jedoch kann diese Rachitis je nach Alter und Entwicklungsstadium der Schildkröte unterschiedliche Namen und sehr verschiedene Ursachen haben. Ich möchte hier mal ganz grob diese unterschiedlichen Möglichkeiten erläutern.

Erst mal für alle Laien hier eine "kurze" Erklärung: Ein Knochen besteht überwiegend aus einer Verbindung von Kalzium und Phosphor (wenige andere Mineralstoffe jetzt mal ausser Acht gelassen). Erst der Einfluss von UV-Strahlung ermöglicht dem Körper die Produktion von Vitamin D3, womit die "Kalzium/Phosphor-Mixtur" aus der Nahrung überhaupt erst in den Knochen eingelagert wird. Das geschieht in Zusammenarbeit von Haut, Darm und Nebennierenrinde. Einen Teil des Vitamin D3 produziert ein Reptil selbst, aber (nach derzeitigen Erkenntnissen) bei weitem nicht genügend. Einen weit größeren Teil nimmt es über seine Futtertiere (Vorstufe von Vit. D3) oder Futterpflanzen auf (Vit. D2-Vorstufe), welche durch UV im Körper zu Vit. D3 umgewandelt werden. Wenn einer der Baustoffe (Kalzium, Phosphor) oder das UV fehlen oder im falschen Verhältnis im Blut vorliegen, dann wird ungenügend Kalzium in die Knochen eingelagert, mit entsprechend fatalen Folgen. Als vollwertiger Ersatz für UV, quasi als Katalysator, kann nach derzeitigen Erkenntnissen auch der Regelstoff Vitamin D3 direkt eingegeben werden. Allerdings macht das einen sehr gezielten Umgang mit diesen Präparaten nötig, weil der exakte Bedarf an Vitamin-D3 noch nicht erforscht ist. Den gezielten Umgang mit diesem Vitamin kann ein Laie daher praktisch nicht bewerkstelligen. Die Gefahr der Überdosierung mit nicht mehr gut zu machenden Folgen ist sehr groß!!

Der Laie kennt im allgemeinen die Rachitis = Knochenerweichung bedingt durch Mangel an Kalzium, Phosphor, Wärme und/oder UV und auch adäquates Licht bei noch wachsenden Jungtieren. Hier wird während des Wachstums von vornherein gar nicht genügend Kalzium in den Knochen eingelagert; der Knochen bleibt spröde oder wird sogar weich und verbiegt sich allmählich.

Die zweite Form von "Rachitis" ist die der ausgewachsenen Tiere. Auch diese Form wird durch den Mangel von Kalzium, Phosphor, UV, Wärme und/oder Licht, oder ein falsches Verhältnis der Stoffe verursacht, aber die Wirkung ist eine andere: Aus dem intakten Knochen des erwachsenen Tieres wird Kalzium mobilisiert, der Knochen wird spröde, neigt zu Brüchen oder wird weicher und verbiegt sich. Dieser Komplex nennt sich Osteomalazie.

Eine dritte Form (die Osteodystrophia fibrosa) kann in Verbindung mit einem Überschuss an Nebenschilddrüsenhormon entstehen, wenn in der Nahrung ein Phosphorüberschuss herrscht (da Phosphor Kalzium an sich bindet und aus dem Knochen herauslöst) oder wenn im Blut Kalzium-Mangel herrscht.

Weiterhin bekommt ein Reptil Stoffwechselprobleme, wenn es nicht seine arteigene Stoffwechseltemperatur (Vorzugstemperatur) erreichen kann oder wenn es zu geringen Lichtmengen ausgesetzt ist (und das offensichtlich sogar auch bei nachtaktiven Tieren!)

Andersherum kann sich ein Überschuss der beteiligten Stoffe oder Regulatoren genauso fatal auswirken. Ein wenig zu viel zugefüttertes Vitamin D3 (Vitaminpräparate) zusammen mit verfügbarem Kalzium (z. B. aus Sepiaschale oder Hühereierschalen) bewirkt eine Einlagerung von Kalzium in Organe und Blutgefässe und macht sie dadurch auf Dauer arbeitsunfähig, bzw. die Tiere haben bei gleichzeitigem Kalziummangel Symptome wie bei Vitamin-D3-Mangel: Knochenerweichung. Viel zu viel zugefüttertes Vitamin D3 ist regelrecht giftig. Phosphorüberschuss im Futter, d. h. letztendlich im Blutkreislauf, bewirkt im Organismus Kalziummangel. Ob sich bei einem sonst gesunden Tier zu hohe Kalziumgaben (ohne Phosphorzugabe) auch negativ auswirken, darüber streiten sich noch die Gelehrten. Sicher ist jedoch, daß bei ungünstiger Konstellation im Organismus durch eine Kalziumüberdosierung ebenfalls Kalziumeinlagerungen in Organen und Blutgefäßen stattfinden können.

Dieses komplexe Zusammenspiel macht die gesamte Geschichte sehr diffizil und für einen Laien sehr unübersichtlich, zumal es scheinbar bisher auch keine Untersuchungen über den genauen Bedarf bei den unterschiedlichen Reptilien gibt. Andererseits ist es m. E. genau der Bereich, in dem die Reptilienpfleger die meisten entscheidenden Fehler machen: zu einseitiges Futter mit einem schlechten Kalzium-Phosphorverhältnis, unangemessene Licht- und UV-Quellen, ungeeignete oder zu geringe Wärmequellen, planloser Umgang mit Vitaminpräparaten.

Werden die Schildkröten von klein auf mit abwechslungsreichem, frischem Wiesenfutter ernährt, bekommen sie ihr Leben lang immer ausreichend Kalzium angeboten und ist eine gute Licht- und UV-Versorgung gewährleistet, dann kann eigentlich nichts schief gehen. Wichtig ist jedoch, daß die Schildkröten selbst entscheiden können, wann sie Kalzium aufnehmen wollen. Ich beobachte bei meinen Tieren, daß sie ihre Sepiaschale, die ein vorzüglicher Kalziumlieferant ist, manchmal einfach ignorieren. Zeitweise fressen sie sie dann wieder wie Kekse. Die Tiere wissen instinktiv sehr gut, wann sie Kalzium benötigen und nützen ein Angebot auch aus. Vorraussetzung ist allerdings zusätzlich ein ausreichendes Angebot an Licht und UV-Strahlung (im Freigehege durch die Sonne, im Terrarium mit der Osram Ultra Vitalux).

Siehe dazu auch die Beiträge: Biologie/UV-Versorgung und Biologie/Stoffwechsel.
 

 Die Homepage wurde zuletzt aktualisiert am 26.10.2014    © E. K.